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Wera Wagenschein
1899 - 1988
Wera Wagenschein wurde am 13. März 1899 in Greifswald geboren.
Bevor ihr Vater, Magnus Biermer, von Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen
1900 nach Gießen berufen wurde, war er Professor an der philosophischen
Fakultät in Greifswald.
Ihre ältere Schwester war wesensmäßig ganz anders als sie. Dadurch wuchs
sie indirekt als Einzelkind auf.
Ihren Vater, den sie sehr liebte, verlor sie früh (1913) und der Schule
entzog sie sich nach Möglichkeit. Wenn es körperlich nicht gelang, schickte
sie zumindest ihre Gedanken auf eigene Wege.
Sie war musisch-künstlerisch sehr begabt, liebte die Musik und war eine
fast perfekte Pianistin, ein Berufsweg, der ihr auf Grund ihrer Herkunft
versagt blieb.
Statt dessen wurde sie -standesgemäß- Haustochter in einer anderen Familie,
in der sie sich besonders mit den Kindern befasste. (Sie hatte zu ihrer
eigenen Kinderfrau während ihres ganzen Lebens ein inniges Verhältnis.)
Als sie Martin Wagenschein kennengelernt hatte, heiratete sie, bevor er
seine Stelle bei Paul Geheeb an der Odenwaldschule antrat (Mai 1924).
Zeit seines Lebens begleitete sie die Arbeit ihres Mannes, sie war die
"beste Kritikerin seiner Arbeiten" wie er mir einmal sagte.
Ihr ist auch sein großer Sammelband "Ursprüngliches Verstehen und exaktes
Denken" gewidmet.
Dass sie selbst auch schriftstellerisch tätig war, wussten nur ganz wenige
Leute. Einer seiner früheren Schüler, seiner ganz vertrauten Schüler,
erzählte mir einmal, er sei bei Wagenscheins gewesen und Frau Wagenschein
habe mit einer Schreibarbeit am Küchentisch gesessen. Auf die Bemerkung
von Martin Wagenschein "sie versucht zu schreiben" habe er dann in der Kartei
der Landesbibliothek Darmstadt nachgeschaut. Tatsächlich war sie auch mit
einem Buch vertreten ("Ein Kind erzählt"). Das war 1960.
Wera Wagenschein und ihr Gefährte hatten das Geschenk eines gemeinsamen
langen Lebens, auch wenn das Ende beschwerlich war (er starb im April, sie
am 23. Juli 1988). Nach seinem Tod regelte sie mit unglaublicher Energie die
allerletzten Dinge, verpackte die ganz persönlichen "Erbschaften" und
schrieb Briefe, in ständiger Furcht, ihre Kraft könne nicht mehr ausreichen,
bis sie wirklich ganz erschöpft war.
Hannelore Eisenhauer